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Die Tempel von Baalbek:"Wohnsitz der
Götter"
Horst und Anke Dunkel Zusammenfassung: Die im Libanon gelegene Tempelruine von Baalbek gilt seit den sechziger Jahren aufgrund der dort verbauten gigantischen Steinblöcke als wichtiger Eckpfeiler in der Diskussion um ausserirdische Technologie in früheren Zeiten. Lange Jahre war Baalbek wegen des dort herrschenden Krieges nicht zugänglich. Anfang 1995 gelangten die AAS-Mitglieder Horst und Anke Dunkel erstmals wieder zu dieser mysteriösen Stätte des vorderen Orients. Einmal in den Libanon zu reisen, um die monumentale Tempelanlage von Baalbek zu sehen, war seit Jahren unser Wunsch. Doch mit Ausbruch des blutigen Bürgerkrieges wurde Baalbek zum Hauptquartier der schiitischen Hisbollah-Milizen; wahrlich keine Stätte für friedliche und unbesorgte Umschau. Zum Jahresbeginn 1995 aber, nach Beendigung des Krieges, hatten wir die Gelegenheit. Von Damaskus aus fuhren wir Richtung syrisch-libanesische Grenze. Ein zuverlässiger Freund von uns, Edward Haladjian, der in Damaskus ein Reisebüro (Assur Tour) betreibt, hatte uns ein Visum für einen 48stündigen Aufenthalt im Libanon beschafft. Von Damaskus aus nach Baalbek zu reisen, erschien uns der sicherste Weg, hält Syrien doch das Ziel unserer Fahrt, die zwischen den schneebedeckten Libanon- und Antilibanon-Gebirgen befindliche Bekaa-Ebenen, noch immer besetzt. In den Ortschaften, die wir durchqueren, sehen wir überall syrische Soldaten, an den Hauswänden Bilder des Ayatollah Chomeini, daneben Portraits des syrischen Staatschefs Assad. Einige Lichterketten in den Strassen erinnern noch an das christliche Weihnachtsfest. Und dann, auf einer 1150 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Anhöhe am Ostrand der fruchtbaren Ebene und schon aus weiter Ferne sichtbar, erhebt sie sich vor uns: die grösste Tempelruine der antiken Welt, die gewaltige Tempelstadt von Baalbek. Monumentaler wurde nirgendwo in der Antike gebaut. Deutsche Archäologen, die in den Jahren 1900 bis 1904 in Baalbek tätig waren, haben die Anlage rekonstruiert und so dargestellt, wie sie zur Zeit der Römer ausgesehen haben könnte. Wenn auch nur noch 6 von ursprünglich 54 Säulen des während der Regierung von Kaiser Nero (54 -68) begonnenen Jupitertempels 20 Meter hoch in den Himmel ragen, ist der Eindruck atemberaubend. Dieser einst prächtigste Tempel des römischen Reiches hatte gigantische Ausmasse. Zum Vergleich: Seine Grundfläche ist zwölfmal so gross wie die des Parthenon Tempels der Akropolis in Athen. Ein Bruchstück des mehrere Meter hohen Gesimses, das von den Säulen
getragen wird, ist herabgestürzt und lässt die kunstvolle
Ornamentik erkennen. Dort liegen auch, entlang der Umfassungsmauer des
Jupiter-Tempels aufgereiht, 9 grosse Steinquader, jeder etwa 10 Meter
lang, 4 Meter hoch, 3 Meter breit und 500 Tonnen schwer, die vielleicht
einmal zum Unterbau eines früheren Tempels gehört haben.
Baalbek ist ein Beispiel dafür, wie der sakrale Geist eines Ortes unterschiedliche Religionen jahrtausendelang überdauern kann. Durch Grabungen wurde herausgefunden, dass vor den römischen Tempeln schon andere, ältere Tempel an diesem Platz gestanden haben. Die Römer rissen sie nieder um auf den Grundmauern neue Tempel für die eigenen Götter zu errichten, die sie wiederum aus der Götterwelt früherer Kulturen übernommen hatten. Ursprünglich wurden wohl der kanaanitische Gott Baal und die uralten semitischen Gottheiten Atargatis, die Göttin der Zeugung und Geburt, in der die Römer die Venus wiederzuerkennen glaubten, und Hadad, der grosse Kriegs- und Wettergott, der in Baalbek mit dem Sonnengott gleichgesetzt wurde, geehrt. Die Seleukiden (3./2. Jh. v. Chr.), die keine Spuren ihrer Anwesenheit in Baalbek hinterlassen haben, gaben ihm seinen griechischen Namen Helios; und so wurde die Stadt während der gesamten griechisch-römischen Periode Heliopolis, die "Sonnenstadt" genannt. Die Römer veränderten den Namen noch einmal und nahmen den Gott in ihr Pantheon auf; Hadad/Helios wurde zum römischen Jupiter. Ihrem Göttertrio Jupiter, Venus und Merkur erbauten sie auch die gewaltige Kultstätte. Es wird von orgiastischen Ritualen berichtet. die möglicherweise in dem Tempel vollzogen wurden, der, wegen seiner Weinranken-Motive am Ostportal fälschlich als Bacchus-Tempel bezeichnet wird, wahrscheinlich aber der Venus geweiht war, Er gilt als einer der schönsten und besterhaltenen Tempel der Antike. Die rätselhafte Ausstrahlung, die dieser Ort auf den Glauben der Menschen über Jahrtausende besass, bestätigt sich auch in seiner Geschichte nach den Römern. Schon während der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung gelangte
das Christentum, von Kaiser Konstantin (306-337 n. Chr.) zur Staatsreligion
erhoben, nach Heliopolis. Kaiser Theodosius (379 -395) beseitigte die
heidnischen Kulte endgültig und verwandelte die Tempel in christliche
Kirchen. Als es den Moslems 637 n. Chr. gelang, das Gebiet unter die
Herrschaft des Islams zu bringen, erbauten sie zu Ehren Allahs auf dem
Gelände eine Moschee, und Heliopolis erhielt wieder seinen alten
semitischen Namen: Baalbek.
Das ist historisch belegt. Arabische Legenden hingegen wissen von Geschehnissen um die "Feste auf dem Berg Libanon", die uns zum mythologischen Beginn des Menschengeschlechts zurückführen. Demzufolge ginge die Anlage auf Adam und Eva zurück, die nach der Vertreibung aus dem Paradies im Gebiete der Zedernberge gelebt haben sollen. Noch heute wird Adams Grab in dem nicht weit entfernten Ort Zebdami gezeigt. und auch Noah und Ham sind angeblich in der Umgebung von Baalbek beigesetzt. Als Kain seinen Bruder Abel in einer Schlucht des Antilibanon-Gebirges erschlagen hatte, soll er hier vor dem Zorn Gottes Zuflucht gesucht haben. Der Mönch Johannes Maro, vom Papst 680 n. Chr. zum Patriarchen des Libanons ernannt, hat die alte Sage überliefert: <<Die Feste auf dem Berg Libanon ist das älteste Gebäude der Welt. Kain, der Sohn Adams, erbaute sie im Jahr 133 der Schöpfung in einem Wahnsinnsanfall. Er gab ihr den Namen seines Sohnes Henoch und bevölkerte sie mit Riesen, die für ihre Frevelhaftigkeit mit der Sintflut bestraft wurden. Offenbar müssen einige dieser "Riesen" die Katastrophe überlebt haben, denn einer anderen Legende ist zu entnehmen, dass der biblische Nimrod sie zum Wiederaufbau der Anlage herangezogen hat, nachdem die Flut vorüber war: "Nach der Sintflut, als Nimrod über den Libanon herrschte, liess er Riesen kommen, die Feste von Baalbek wieder aufzubauen, die so heisst zu Ehren Baals, des Gottes der Moabiter, welche den Sonnengott anbeteten." Griechen und Römer haben ihre Tempel auf einen Unterbau gestellt, den es seit Urzeiten gegeben hat. Niemand hat bisher den Versuch gemacht, die Menge der Steinblöcke auszurechnen, die gebrochen, behauen und herbeigeschafft werden mussten, um die gigantische Plattform aufzuschichten. Besonders die drei kolossalen Monolithen der nördlichen Umfassungsmauer geben den Archäologen seit jeher Rätsel auf. Mit jeweils rund 20 Metern Länge, 4 Metern Höhe und 3,60 Metern Breite, sind sie an der Nordwestecke des Jupiter-Tempels in 6 Metern Höhe in die Plattform eingefügt. Nach der Schätzung von Experten wiegt jeder dieser zyklopischen Fundamentblöcke, die schon im Altertum als Weltwunder angesehen wurden, über 1000 Tonnen. Sie gelten als die grössten Bausteine, die je von Menschenhand geschaffen wurden. Noch riesiger ist ein Steinquader, der ausserhalb des Ortes im Erdboden
steckt. Es ist der "Midi" oder "Stein des Südens". Man hat ihn
genau vermessen: 21,36 m lang, 4,33 m hoch, 4,60 m breit. Die Gewichtsangaben
schwanken zwischen 1200 und 2000 Tonnen.
Bis heute kann niemand erklären, auf welche Weise die mächtigen Steinblöcke aus dem ein Kilometer entfernten Steinbruch im Tal zum Tempelgelände transportiert werden konnten. Man hat keinerlei Hinweise auf einen Transportweg gefunden. Ungeklärt sind auch die technischen Hilfsmittel, die zweifellos für die Beförderung und die präzise Plazierung der gewaltigen Quader hoch über dem Boden zum Einsatz gekommen sein müssen. Wie sehen jene Maschinen aus, die es ermöglicht haben, solche ungeheuren Steinmassen zu bewegen und anzuheben? Vorläufig ist es unmöglich, hierauf eine zuverlässige Antwort zu geben. Kann es da verwundern, wenn in die Legenden und Überlieferungen "Riesen" als Baumeister eingegangen sind: Wie hätte man sonst erklären sollen, was unerklärbar war? Wir glauben, dass diese unbegreifliche Leistung zu einer Zeit vollbracht wurde, die historisch nicht mehr fassbar ist. Schon das älteste Epos der Weltliteratur, das auf Tontafeln niedergeschriebene sumerische Gilgamesch-Epos, das die Geschichte eines Königs erzählt, der um 2900 v. Chr. über Uruk herrschte, wusste von dem "Berg im Zedernwald" und bezeichnete ihn als "Wohnsitz der Götter". Wer immer diese "Götter" auch gewesen sein mögen, sie müssen in ferner Vergangenheit bereits über technische Möglichkeiten und ein Wissen verfügt haben, das dem unsrigen zumindest ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen war. |